Und noch ein bisschen Corona….

Es läuft mir eiskalt den Rücken runter, wenn Mamas oder Kinder erzählen, wie groß die Angst vor den Schnelltests in den Schulen ist. Ja, das Kitzeln in der Nase ist irgendwie schon doof. Aber so richtig vor anderen popeln zu dürfen, ist ja auch komisch. Und dann darf man das auch noch plötzlich „Rotze“ oder „Schnodder“ nennen, ohne dafür eine Rüge zu kassieren. Selten durfte man so ausgiebig über Sekrete sprechen oder sich mit ihnen aktiv beschäftigen, wie derzeit. 

Doch dieser Vorgang ist es nicht, der Eltern und Kinder gleichermaßen ver- und anspannt. Es ist die Angst vor den Reaktionen der Anderen, wenn ein Test dann doch positiv sein sollte. Wie kann das sein? 

Derzeit werden alle Klassen 2x wöchentlich mit einem Antigen-Schnelltest getestet. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich zu infizieren, berechnen bitte andere. Da habe ich so gar keine Ahnung von. Aber die steigenden Inzidenzen lassen die Vermutung nahe, dass die Wahrscheinlichkeit eher steigt. 

Die Fehlerquote des Tests zu berechnen, ist ebenfalls durchaus etwas für Mathematiker. Das RKI hat kürzlich eine sehr interessante Studie zur Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven oder falsch-negativen Testergebnisses rausgebracht. Wenn unter den Getesteten nur wenige Personen tatsächlich infiziert sind, dann sind positive Test Resultate unzuverlässig. Wenn unter den getesteten allerdings viele Personen tatsächlich infiziert sind, dann sind positive Testergebnisse zuverlässig. Negative dafür umso unzuverlässiger. So, darüber denke jetzt mal kurz nach. Ähh? Ach echt?!? Diese Wahrscheinlichkeitsrechnung verstehe ich auch ohne des RKIs geistigen Ergüsse. 

Wir sind uns also einig, dass ein positiver Test noch lange nichts heißt. Das muss jedem von uns klar sein. Und besonders klar muss das für Eltern sein, die ihre Kids darauf vorbereiten müssen, möglicherweise positiv getestet zu werden. Erstmal Ruhe bewahren und den Verdacht mit einem PCR Test bestätigen. Im besten Fall stimmt der Schnelltest nicht. Doch dennoch wurde das Kind möglicherweise von den Klassenkameraden bereits abgeurteilt. Angst davor zu haben, von den Freunden ausgelacht zu werden, brennt sich tiefer in die Herzen der Kids, als es aussehen mag. Sicherlich ist Mobbing ein spezielles Thema. Doch in diesem Zusammenhang finde ich es besonders schrecklich. „Es ist ja nur ein harmloses Ärgern“, mag so manch einer denken. Aber in dieser Pandemie haben wir alle so viel Leid erfahren. Durch Jobverlust, Ängste, Einschränkungen, Vereinsamung, vielleicht sogar durch den Tod eines Nahestehenden. Die Zeit war und ist für niemanden einfach. Sollten wir nicht gerade dann einem möglicherweise Infizierten Trost und Hilfe sein, statt ihn auszulachen oder auszugrenzen? Wie können wir zulassen, dass Kinder davor Angst haben, verspottet zu werden wegen eines positiven Testergebnisses. Sollte das Kind nicht vielmehr viele liebevolle Gedanken mit auf dem Weg zum nächsten Test und den möglichen Konsequenzen einer Infektion bekommen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es bald jemanden von uns trifft, steigt. Und umso mehr in der Testgruppe infiziert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen falsch-positiven Test. Nichts davon möchte man wirklich – außer einen negativen Test. 

Wir müssen zusammenrücken und unsere Kinder in die Mitte nehmen. Ihnen jede Angst nehmen, dass jemand lachen könnte! Und auch klar machen, dass es jemanden auszulachen oder auszugrenzen, der einen positiven Test hat, eine absolute Charakterschwäche ist. Oder um es in Kinderworten zu sagen: eine riesengroße Schweinerei! Gerade dann braucht jeder von uns Hilfe und ein bisschen Herzenswärme.

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