Ist sorgloser Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten möglich?

Vielleicht – wenn man es schafft, einzureisen.

„Sorglos“ ist so ein großes Wort. Die Erfahrung einer Reisevorbereitung zeigt, „sorglos“ wäre fahrlässig. Allzu sorglos in eine Planung zu gehen, läßt viel Raum für Schwierigkeiten. 

Dubai lockt mit der Weltausstellung. Das ganze Land schenkt Temperaturen, von denen wir in diesem Jahr nur träumen konnten. Eine Vielzahl kleiner und großer Freizeitmöglichkeiten neben phänomenalen Bauten und Stränden gibt es noch dazu. Und die Flugzeit von 6 Stunden ist überschaubar, selbst für Kinder. 

Die aktuellen Covid-Sars-19 Infektionszahlen steigen in Deutschland, in den VAE sind sie eher rückläufig. Corona hat es geschafft, jeden Schritt bürokratisch zu begleiten. Wir sind mehr denn je auf ein Smartphone und eine digitale Vernetzung angewiesen. Wenn wir Corona nicht durch Abstandregeln und das Tragen einer Maske eindämmen, dann zumindest durch digitale Technologien überwachbar. Ist das so einfach?

Und ehrlich gesagt kribbelt mir das Bäuchlein bei jeder Einreise in die VAE, auch ohne Corona Pandemie. Die Einreiseprozedur ist für mich jedes Mal eine Herausforderung. Die strengen, dunklen Augen der Männer haben mächtigen Charme.  Aber wenn diese Augen kritisch aus den verglasten Käfigen genau in meine Augen schauen, möchte ich gerne weglaufen. 

Während einer Einreise wurde wir plötzlich getrennt, unsere Tochter und ich in eine andere Richtung geschoben. Widerspruch völlig zwecklos und wahrscheinlich auch eher dumm. Glücklicherweise war die Trennung nur für die Dauer der Visitation. Die Erklärung findet sich in der Kultur. Aber ich kenne viele persönliche Geschichten von Menschen, die nicht mehr in die VAE einreisen dürfen. Und in kaum einer Geschichte ist klar, was eigentlich genau passiert ist. Fliegst du in dieses Land, ist „Demut“ eine gute Wahl. 

Vorbereitung zuvor

Für die Einreise nach Abu Dhabi gelten andere Vorschriften als beispielsweise nach Dubai oder Ras-al-Khaimah. Ein Blick auf die Seiten des Auswärtigen Amtes ist daher unerlässlich. Doch die Informationen reichen leider nicht ganz aus. Zudem kursieren widersprüchliche Angaben. 

ICA 

Mit soliden Englischkenntnissen schaffe ich es, die erforderliche Reiseanmeldung beim ICA vorzunehmen. ICA steht für „Federal Authority for Identity and Citizenship“ (ICA).

Angegeben werden muss neben den gängigen Daten wie Geburtsdatum und Informationen zum Reisepass, auch der Impfstatus. Die Dokumente werden im Abschluss hochgeladen. Auch ein Foto. Dies ist mir etwas unangenehm. Nehme ich lieber Eines, wo ich mir selbst drauf gefalle? Oder Eines, wo ich mir möglichst ähnlich bin.

Ist alles zur Zufriedenheit des ICA, bekommt man einen QR Code, der für die Einreise benötigt wird. So, nun fängt für Menschen, die immer alles misstrauisch beäugen das nächste Problem an. Wie nehme ich den Code denn nun mit? Als Screenshot? Ausgedruckt? 

Zudem werden die Daten in der AlHosn App gespeichert. Noch sind diese Daten für uns nicht einsehbar. Bei der Einreise bekommen wir mit dem Visum eine „UID“. Erst mit dieser Nummer können wir die App vollständig einrichten. Dies wird wohl sehr wichtig werden, denn nur mit dieser App können wir uns in Abu Dhabi frei bewegen. Sie funktioniert wie „Luca“. Doch das bedeutet auch, unsere Handys müssen während des Urlaubes permanent online sein können. Normalerweise besorge ich im „Gastland“ eine PrePaid Karte. Dies funktioniert dieses Mal nicht, denn die AlHosn App ist auf meine Mobilfunknummer eingerichtet. Ein nachträgliches Ändern ist nicht möglich. Ich habe schon 3x in die Unterlagen geschaut, ob ich auch die richtige Nummer angegeben habe.

Kampf mit IATA Travel App

So langsam finde ich es nicht mehr lustig, denn Ethiad Airways möchte noch die IATA Travel App vorgezeigt bekommen. In einem QR Code zusammengefasst sind dann die Pass-, Impf- und Testdaten einsehbar. Theoretisch. Wenn die App diese denn akzeptiert. In einem komplizierten Aufbau wird erst ein Foto von mir, dann vom Pass gewünscht. Nach Eingabe der Flugnummern kann der Impfstatus via QR Code hochgeladen werden. Doch meine Impfung mit AstraZeneca wird nicht akzeptiert. Ich vermute, dass es an der Umbenennung des Impfstoffes von „3-Oxford AstraZeneca“ in „Vaxzevria“ liegt. Der Status meldet: „Not allowed to travel“ und bleibt beharrlich auf ROT. Es wird mir nahegelegt, bei Ethiad Airways anzurufen, doch der Erfolg bleibt fragwürdig. Der Support kennt die geforderte App gar nicht. Die Lösung ist für die Mitarbeiterin sehr einfach: App löschen. Aha. Ob das gut geht?

PCR Test für die Einreise

Fakt ist, wir brauchen einen gültigen PCR Test bei der Einreise. Doch wie alt der sein darf, ist sehr unklar. Von 24 bis 72 Stunden ist alles dabei. Ja, gut, da bin ich doch lieber auf der sicheren Seite und plane 24 Stunden vom Test bis zum Start ein. Jahaaa, aber die Auswertung des Testes dauert in der Regel 24 Stunden. Wir rechnen mal nach. Ich möchte am Samstagmorgen starten. Dann darf der Test am Freitagmorgen gemacht werden. Aber was passiert, wenn der Test nicht rechtzeitig übermittelt wird? In den meistens Testzentren steht, dass die Übermittlung am Abend des Folgetages geschieht. Ups? Zu spät! Und am Donnerstag schon den Test durchführen lassen, geht auch nicht, dann ist er ja älter als 24 Stunden. Und was gilt überhaupt als Zeitfenster? Der Zeitpunkt der Probenentnahme oder der Attestierung? Mein ängstliches Herz überlegt derweil, ob ein Urlaub daheim nicht auch reichen würde.

Doch weil mein Mut-Tiger mich sehr gut kennt, bucht er einen PCR Schnelltest am Flugplatz und ein Hotelzimmer dazu. Nun bekommen wir innerhalb von 3 Stunden das Ergebnis zu einem stolzen Preis, können danach aber entspannen. Oder eben auch nicht. Denn unvermittelt kam die Nachricht der Airline, dass die Papiere 9 Stunden vorher hochgeladen sein müssen. Wir rechnen wieder. Wenn der Test um 17 Uhr stattfindet, haben wir das Ergebnis um 20 Uhr. Take-off ist für 9:50 Uhr geplant. Das ist mir Angst-Häschen schon wieder zu viel Aufregung.

Ich bin urlaubsreif!

In 48 Stunden sitzen wir hoffentlich im Flugzeug. Zeit, endlich mal ans Packen zu denken, neben gefühlten 500 Seiten Papieren. Du schöne digitale Welt! Irgendwas scheine ich da falsch verstanden zu haben.

Und dieses Mal hab ich nicht nur Angst vor dem Flug, sondern auch davor, nicht fliegen zu dürfen. Ich werde berichten!

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